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Schauen und Erkennen
Die künstlerische Begabung war schon in der Schulzeit unübersehbar. Aber zum Beruf machte Picchio die Kunst erst nach Jahrzehnten erfolgreicher unternehmerischer Tätigkeit. Diese hat mit jener scheinbar nur wenig zu tun. Und doch hat der Unternehmer Fähigkeiten und Qualitäten gezeigt, die nun so oder ähnlich auch diejenigen des Künstlers sind: Kreativität, Ideen- und Erfindungsreichtum ganz allgemein, im besonderen eine ausgeprägte räumliche Vorstellungskraft, ein starkes optisches Gedächtnis.
Genaues Schauen und Erkennen als Voraussetzung der Kunst: Als Picchio ins Tessin kam und, begeistert von ihrer Schönheit, die Dörfer zu malen begann, fiel ihm als Erstes die Segmentierung ihrer eng verschachtelten Architektur auf, ihre optische Auflösung in vertikalen Streifen, oder in diagonale, wenn man sie in Bezug zu ihrer bergigen Umgebung setzt. Damit fand er auch schon seinen Segment-Stil. Und Stil hat sein besonderes Gewicht bei einem Künstler, dessen erklärtes Prinzip es ist, die Wirklichkeit zu verwandeln und nicht realistisch abzubilden.
Denn Letzteres ist Aufgabe der Fotografie, die er zwar professionell beherrscht und die ihn doch weniger fasziniert, die mit der Malerei auch bei gemeinsamer Thematik - Blumen vor allem - keinen direkten Zusammenhang hat, höchstens den indirekten, dass Abstraktion der Fotografie in strengem Sinne verwehrt bleibt. Und dann ist es natürlich besonders spannend zu verfolgen, wie die genau beobachtete Blume in der Reduktion des Malers eine geometrische Ordnung erhält, die auf ihre naturwissenschaftliche Gesetzmässigkeit verweist.
Und zur Abstraktion drängt Picchios Malerei in fliessenden Übergängen, die das Thematische nebensächlich erscheinen lassen und zugleich bewusst machen, dass beispielsweise auch die Farbe Blau ein Thema sein kann. Grenzen verschwimmen, wenn die sich im Wasser spiegelnde Silhouette einer Grossstadt wie New York in einem anderen Bild unmerklich übergeht in die reine Konstruktion. Auch Räumliches ist schon angelegt im pastosen Auftrag der Acrylfarbe mit dem Spachtel, der das Bild unmerklich zum Relief werden lässt.
Die Farben werden unvermischt aufgetragen und verbinden sich erst im Auge der Wahrnehmenden, im Sinne des Divisionismus, zur entsprechenden Farbwirkung - womit diejenigen, die es betrachten, um so stärker ins Bild einbezogen werden. Und damit ist der Weg frei zur dritten Dimension, zu den eigenwilligen Bildobjekten, zu denen der Künstler unterschiedlich bemalte Platten in modularem Einheitsformat zu immer neuen Installationen zusammenfügt, die je nach Standpunkt einen ganz anderen Anblick bieten.
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